Mutter Angelica – Ihr großes Schweigen
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Raymond Arroyo
Nachdem Mutter Angelica im Jahr 2001 einen Schlaganfall und mehrere gesundheitliche Rückschläge erlitten hatte, gingen viele davon aus, dass die Geschichte der berühmtesten Nonne Amerikas zu Ende sei. Auf ihre Zelle beschränkt und zum Schweigen verurteilt, bestand Mutter Angelica mehr als ein Jahrzehnt lang die inneren Kämpfe um ihre Seele, begleitete die Querelen innerhalb ihrer Ordensgemeinschaft und verfolgte die weitere Entwicklung von EWTN. Durch ihre Sendungen veränderte sie das Leben von vielen Menschen, die sie nie kennengelernt hatte. Raymond Arroyo beschreibt Mutter Angelicas geistliche Kämpfe in ihrer Zelle – einschließlich ihrer Zusammenstöße mit dem Teufel. Er offenbart auch Mutter Angelicas persönliche Bitte an Gott während ihrer langen Bettlägerigkeit. Schließlich geht er auch auf seine bewegende persönliche Beziehung zu Mutter Angelica mit all ihren Höhen und Tiefen ein.
„In diesem Buch werden die letzten bittersüßen Jahre einer tiefgläubigen Nonne beschrieben, die in ihrem langen Schweigen und durch große Schmerzen das Leben von vielen Menschen verändert und mehr Gutes getan hat, als jemand sich hätte vorstellen können.“ Raymond Arroyo
Broschur, 272 Seiten
1. Aufl. 2025
Raymond Arroyo ist ein New York Times-Bestsellerautor, preisgekrönter Journalist, Produzent und Nachrichtendirektor des weltweiten Fernsehsenders EWTN. In seiner Nachrichtensendung „The World Over Live“ erreicht er wöchentlich mehr als 250 Millionen Haushalte auf allen Kontinenten. Seine Artikel erscheinen auch im New York Observer, im Wallstreet Journal und in der Financial Times.
Rezensionen:
Der Artikel ist veröffentlicht in der Zeitschrift Kirche heute Nr. 6/Juni 2025
© Kirche heute Verlags-gGmbH (Altötting)
www.kirche-heute.de
„Es sei denn, Sie hätten Mutter Angelica gekannt….“
Mission in Massenmedien – Verkündigung im Schweigen Mutter Angelica (1923-2016) war eine Klarissin vom Orden der Klarissen von der Ewigen Anbetung (Angelica Rizzo PCPA). Mit bürgerlichem Namen hieß sie Rita Antoinette Rizzo. 1976 begann sie in der Garage ihres Klosters Fernsehsendungen zu produzieren. Daraus entstand der katholische Fernsehsender Eternal Word Television Network (EWTN), der weltweit mehr als 435 Millionen Haushalte erreicht. Von der „Mission in Massenmedien“ zur „Verkündigung im Schweigen“, so könnte man ihren Weg beschreiben. Denn nach Jahrzehnten in religiösen Talkshows und Fernsehauftritten erlitt sie im Spätherbst 2001 zwei Schlaganfälle, die ihrer Medienarbeit ein plötzliches Ende bereiteten. Ihren letzten Live-Auftritt bei EWTN hatte sie anlässlich ihres 80. Geburtstags am 20. April 2003. In seinem fünften Buch über Mutter Angelica beschreibt Raymond Arroyo die letzte Phase ihres Lebens, die in zunehmendem Leiden und vollkommenem Verstummen bestand, bis sie am Ostersonntag, den 27. März 2016, verstarb. Klaus-Hermann Rössler stellt das Buch vor, das den Titel trägt: „Mutter Angelica – Ihr großes Schweigen. Ihre letzten Jahre und ihr Vermächtnis“.
Alle, die in der Kirche ein Leitungsamt ausüben, seien dazu gehalten, „zu verschwinden, da-mit Christus bleibt, sich klein zu machen, damit er erkannt und verherrlicht wird (vgl. Joh 3,30), sich ganz und gar dafür einzusetzen, dass niemandem die Möglichkeit fehlt, ihn zu er-kennen und zu lieben“. So Papst Leo XIV. in seiner ersten Messe als Papst mit den Kardinä-len in der Sixtinischen Kapelle.
Mit tollkühnem Vertrauen auf Gott
Ihr Leben lang hat sich die Gründerin von EWTN, eine Nonne vom Orden der Armen Klaris-sen von der Ewigen Anbetung in den USA, die heute international berühmte Schwester „Mo-ther Angelica“, exakt an diese Maxime gehalten, vor allem natürlich an dessen letzten Teil, Christus möglichst vielen bekannt zu machen, aber auch an dessen ersten, nämlich selbst zu verschwinden, um Ihm immer mehr Raum zu geben. Sie hat dabei in ihrem ganzen Leben einen Mut entwickelt, der sich nur mit einem geradezu tollkühnen Vertrauen auf Gott und einer grenzenlosen Liebe zu Jesus Christus erklären lässt. „Mehrere Stunden, die sie täglich im Gebet verbrachte, verschafften Mutter Angelica ein feines Gespür für den Ruf Gottes, dem sie sofort folgte... Wie viele von uns würden es wagen, im Alter von 58 Jahren in einer Garage in einem Vorort einen Kabelfernsehsender zu gründen, und das ohne jegliche Erfahrung? Stellen Sie sich vor, Sie wären körperlich behindert, mittellos und eine in Klausur lebende Nonne. Nur wenige würden glauben, dass ein solches Projekt funktionieren könnte. Es sei denn, Sie hätten Mutter Angelica gekannt“, schreibt Raymond Arroyo in seinem gerade im Media Maria Verlag in deutscher Sprache neu erschienenen Werk von 2018 „Mutter Angelica – Ihr großes Schweigen. Ihre letzten Jahre und ihr Vermächtnis“.
Weltweites Medienapostolat von EWTN
Dass Mutter Angelica tatsächlich ein Leitungsamt in der Kirche ausgeübt hat, wird niemand im Ernst bezweifeln. Nicht nur, dass sie Äbtissin eines und Gründerin bzw. Mitinitiatorin zahlreicher weiterer Klöster in den USA und Europa war. Heute ist ihr mittlerweile über 40 Jahre altes einstiges „Garagenkind“ EWTN nach Eigenangaben der weltweit größte katholi-sche Fernsehsender und erreicht mit seinen 11 Fernsehkanälen in verschiedenen Sprachen mehr als 435 Millionen Haushalte in über 160 Ländern auf allen Kontinenten. Darüber hinaus gehören Radiosender und Nachrichtenagenturen wie CNA Deutsch, CNA (Catholic News Agency), ACI Prensa, ACI Stampa, ACI Africa und ACI Mena zum weltweiten multimedialen Medienapostolat von EWTN. Und das alles auf Spendenbasis – in Deutschland übrigens seit 25 Jahren.
Der Weg ins Schweigen
Wenn man dann noch die Tatsache berücksichtigt, dass die Person, die maßgeblich durch die Lebendigkeit ihrer Glaubensgespräche zum weltweiten Erfolg beigetragen hat, eben jene Mutter Angelica ist, nimmt es natürlich Wunder, warum der Autor gerade ein Buch über ihr Schweigen veröffentlicht hat – übrigens ein in mehrfacher Hinsicht erstaunliches Werk, das eine nichts beschönigende Darstellung des konkreten Ordenslebens seiner Protagonistin mit einer tiefen persönlichen Erfülltheit über deren geistlichen Weg und vorbildhafte Größe ver-bindet. Geschrieben überdies in einem federleichten und unterhaltsamen Stil, eine Verbindung von interessanter Reportage und Nachdenken provozierender Tiefgründigkeit, wie sie sonst im deutschen Sprachraum eher selten ist.
Das fünfte Buch von Raymond Arroyo über Mutter Angelica
Dazu muss man wissen: Raymond Arroyo hat vor diesem Buch bereits vier andere Bücher zu Mutter Angelica geschrieben. Das erfolgreichste davon, das 2009 (als einziges der vier) auf Deutsch unter dem Titel „Mutter Angelica. Eine Nonne schreibt Fernsehgeschichte“ ebenfalls im Media Maria Verlag erschienen ist, stand monatelang auf der Bestsellerliste der New York Times. Arroyo ist ein erfolgreicher New Yorker Journalist (New York Observer, Wallstreet Journal, Financial Times) und war Fernsehreporter aus dem Capitol in Washington, bevor er Nach-richtendirektor von EWTN wurde – auf welch ungewöhnliche Weise und mit welchen unvor-hergesehenen geistlichen Auseinandersetzungen mit der Gründerin (O-Ton nach einer heftigen Zurechtweisung: „Ich tue nur das, was Mütter tun“), das verrät er in seinem neuen Buch – nicht ohne nachträgliche Dankbarkeit. In seiner Nachrichtensendung „The World Over Live“ erreicht er wöchentlich nach Angaben des Senders mehr als 148 Millionen Haushalte in über 140 Ländern auf allen Kontinenten. Er ist auch Roman- und Kinderbuchautor.
Letzte Lebensphase – Erkrankung und Verstummen
Nun also aus seiner Feder die Behandlung des Schweigens der berühmtesten katholischen Medienschaffenden, nicht ihres stupenden medialen Erfolges. Das Buch schildert zunächst ein weiteres Mal die mehr als erstaunliche Biografie von Mutter Angelica, kann also auch als Werk für sich gelesen werden, ohne dass man die Vorgängerbücher kennt, auf die es gleich-wohl neugierig macht.
Aber in diesem Buch geht es vor allem um die letzte Lebensphase der Schwester – und Ar-royo legt Wert darauf, dass es sich um eine Auftragsarbeit handelt. Durch einen Schlaganfall im Jahre 2001 und eine weitere Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes im Jahre 2004 bei ansonsten klarem Verstand unfähig, ausreichend zusammenhängende Sätze zu formulie-ren, hatte Mutter Angelica Raymond Arroyo gebeten, die „ganze Geschichte“, also auch die Geschichte ihrer letzten, von schwerster Krankheit und einem zunehmenden Verstummen geprägten Lebensphase und der damit zusammenhängenden erheblichen Schwierigkeiten im Konvent ihres Klosters in Hanceville zu beschreiben.
Am Ostersonntag 2016 ist sie heimgegangen. Nach der Lektüre ahnt man ihr ungewöhnliches Motiv für den Auftrag – hierin gleicht sie dem heiligen Papst Johannes Paul II.: Nur die Wahrhaftigkeit bis zuletzt ermöglicht ein glaubwürdiges Lebenszeugnis für Jesus Christus. Ihre Liebe zum Herrn, wie sie in dem Buch von Arroyo auch durch Zitate von mehreren ihr nahestehenden Menschen geschildert wird, geht dem Autor und dem Leser gleichermaßen nahe.
Kraft aus dem Schweigen in der Freundschaft mit Gott
Ihr Schweigen wird ihr als ungeheuerliche Herausforderung zu einer geistlichen Reise in die ewige Herrlichkeit. Der Mönchsvater Benedikt bezeichnet das Schweigen im 7. Kapitel seiner Regel als eine der höchsten Stufen der Demut der monastischen Existenz.
Arroyo nutzt die Beschreibung der „ganzen“ Wahrheit, wie sie von Mutter Angelica ge-wünscht wurde, zu einer geistlichen Bilanz ihres Lebens und Leidens, die uns Wegweiser für unser eigenes Glaubensleben sein kann. Ihr durch die Medien vermitteltes Segenswirken, das im Buch durch zahlreiche Bezeugungen von EWTN-Zuschauern bewegend dokumentiert wird, wird deutlich als Ausfluss einer Kraft, die nicht aus dem Reden, sondern aus dem Schweigen in der Freundschaft zu Gott kommt.
Die hl. Teresa von Avila – eine spirituelle Lehrmeisterin auch für Mutter Angelica – hat dieses Stillsein mit Gott so auf den Punkt gebracht: „ ... das innere Gebet ist nichts anderes als ein freundschaftlicher Umgang, bei dem wir oftmals ganz allein mit dem reden, von dem wir wissen, dass er uns liebt.“
Mutter Angelica sagte über ihre Medienarbeit: „Ein Sender, der spirituelles Wachstum fördern will, muss im kontemplativen Leben verwurzelt sein. ... Es ist das Ungewöhnlichste, was ein Orden tun kann, aber Gott bewirkt gern Großes mit Kleinen.“
„Weißes Martyrium“ im fortschreitenden Leiden
Aber ihr über ein Jahrzehnt sich steigerndes Verstummen war die Konsequenz eines „weißen Martyriums“ – im Sinne einer Hingabe an Gott im fortschreitenden Leiden. Hierin erkannte sie die Vollendung eines Musters in ihrem Leben. Arroyo schreibt: „Parallel zu jedem Fort-schritt in ihrer Arbeit widerfuhr Mutter Angelica ein körperliches Leiden. »Das war schon immer die Vorbereitung, die Gott mir offenbar gibt«, sagte sie über ihre Schmerzen in einem Interview. »Immer scheint es dem, was der Herr von mir möchte, vorauszugehen.« Mutter Angelica war nie weit entfernt vom Schatten des Kreuzes, wenn sie den Willen Gottes um-setzte.“ Und er erinnert sich, was sie ihm lange vor ihrer langen letzten Leidensphase gesagt hat: „»Eine der Lektionen, die ich gelernt habe, besagt, dass das Leiden und das Alter etwas sehr Wertvolles sind. Weißt du warum? Weil wir in diesen Phasen unseres Lebens mächtig sind.« Mutter Angelica wollte damit sagen, dass die Alten und Schwachen lange Stunden mit Gott allein verbringen, Stunden, in denen sie beten und für andere Fürbitte leisten. Es ist eine geheimnisvolle Macht, aber es ist dennoch eine Macht. In dem Maße, wie ihr Körper schwä-cher wird, erstarkt ihr Geist. Wenn der Tod naht, gehen die Ängste zurück. Und dasselbe gilt für das Interesse an der materiellen Welt.“
Ökonomie Gottes – das Nutzlose in den Augen der Welt
Und er berichtet, was eine Mitschwester ihm sagte, die Mutter Angelica sehr nahestand: „»Ich weiß, dass sie den Sender zum Teil für diejenigen aufgebaut hat, die ans Haus gefesselt sind, und jetzt ist sie eine von ihnen«, erzählte mir Schwester Grace Marie in der Zeit, als Mutter Angelica auf ihre Zelle beschränkt war. »Ich kann mir vorstellen, dass sie für die Kirche und für den Heiligen Vater betet [...]. Wer weiß, ob das Leid, das sie ertragen hat, nicht wirksamer ist als alles, was sie zuvor getan hat? Sie ist ganz ausgeliefert – und dieses beständige ›Ja‹ zum Willen Gottes in ihrem Leiden ist für mich solch ein beredtes Zeugnis. Das ist ja die Ökonomie Gottes: Er nimmt, was in den Augen der Welt nutzlos ist, und macht es wertvoll. Er kommt nicht, um das Leiden wegzunehmen, sondern um es zu heiligen. Und sie lehrt uns immer noch, ... wie man auf die richtige Art das Leiden annimmt [...]. Von einer Person, die eine so mächtige Kommunikatorin war, zu jemandem, der sich nicht mehr mitteilen kann. Dieses Annehmen von Gottes Willen ist enorm [...]. In Anbetracht all dessen, was sie ertragen hat, ist sie eine heilige Frau. Sie lehrt mich so unglaublich viel. ...«“
Und selbst EWTN-Fans vor den Mattscheiben spürten die Kraft, die von ihrem Schweigen ausging, als sie nicht mehr live auf dem Bildschirm zu sehen war. Raymond Arroyo zitiert aus der Zuschrift des Zuschauers Ken Crawford: „Mutter Angelicas größtes Geschenk für mich ist ihr Leiden. Es klingt verrückt, nicht wahr? Ich leide an Multipler Sklerose, bei der viele Komplikationen aufgetreten sind. Gefesselt an einen Rollstuhl, Schmerzen, Kraftlosigkeit usw. [...] Mutter Angelica hat mir gezeigt, dass Leiden eine edle, wertvolle Berufung ist. ... Keine Live-Übertragungen von EWTN mehr – sie tut jetzt das, was sie schon immer tun wollte: Sie verbringt Stunden im Gebet, und im Schweigen ihres Herzens betet sie Jesus an.“
„Leiden ist Heilen“
In einem persönlichen Gespräch vertraute Angelica unserem Autor einst an: „Mir wurde eines Tages bewusst, dass diejenigen, die fortwährend leiden, möglicherweise nicht geheilt werden, weil sie selbst Heiler sind. Das größte Geschenk, das Gott mir seit meiner Berufung gemacht hat, ist das Leiden, denn ich bin eine stolze Person, und bei dem Apostolat, das Gott uns übertragen hat, und der Arbeit, die zu leisten ist, muss ich völlig von Ihm abhängig sein [...]. Ich habe deshalb geistlich heilen können, weil ich körperlich nicht geheilt worden bin. Leiden ist Heilen. Es gibt Leute, die meinen, der Pfad zur Heiligkeit bestehe darin, von körperlichem Leiden geheilt zu werden. Gott aber benutzt dieses Leiden häufig, um uns zu verändern und unsere Seelen zu heilen.“
Einstieg von Papst Leo XIV. in sein Pontifikat
In der eingangs genannten Predigt zitiert Papst Leo XIV. den hl. Ignatius von Antiochien, der angesichts der Aussicht, bald im römischen Zirkus von wilden Tieren verschlungen zu werden, äußerte: „Dann werde ich wirklich ein Jünger Jesu Christi sein, wenn die Welt meinen Leib nicht mehr sieht.“ Auch Mutter Angelica hat in diesem Sinne durch ihr Verstummen und langsames leibliches Verschwinden Christus verkündet. Durch das Buch von Arroyo über sie werden wir an ein unzerstörbares Licht in unserer Zukunft erinnert.
Herstellerinformation
Media Maria Verlag Inh. Gisela Geirhos e.K., Nordstraße 2, 89257 Illertissen, Deutschland, buch@media-maria.de
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